Mutter, Migrantin, ungelernt, im Aufbruch

In Integration

Städtisches Jobcenter, GEBA, MUM und GGUA finden mit „kultursensibler Vermittlung“ bundesweit Aufmerksamkeit

Münster (SMS) Was ist ein Hospiz? In Rumänien gibt es so etwas, aber in Somalia nicht. Wer sich für eine Tätigkeit in einem Altenpflegeheim interessiert, so wie die bunt gemischte Truppe von zehn Frauen aus dem Projekt „Zukunft wagen! Akzente setzen!“, muss das verstehen – die Wortbedeutung und den kulturellen Hintergrund. Genau darum geht es in dem Projekt, bei dem das städtische Jobcenter Münster mit dem Bildungsträger GEBA, der GGUA Flüchtlingshilfe und dem Mütterzentrum MUM zusammenarbeitet: Mütter mit Migrationsgeschichte sollen erfolgreich in den Arbeitsmarkt finden.



Beim Rundgang durch das Klarastift erkundeten die Frauen mögliche Berufsfelder in der Altenpflege und Hauswirtschaft. Die Frauen kommen aus der ganzen Welt. Sie sind in der Regel schon einige Jahre in Deutschland. Die meisten haben keinen Abschluss, der in Deutschland anerkannt würde. Von 136 Müttern, die seit dem Projektstart 2015 angesprochen wurden, werden 91 intensiv betreut. 80 von ihnen bezogen oder beziehen Arbeitslosengeld 2. 18 Frauen haben jetzt einen festen Arbeitsplatz, weitere 30 haben sich für den Arbeitsmarkt zusätzlich qualifiziert. „Für eine Gruppe, die für uns schwer zu erreichen ist, ist das eine sehr gute Quote“, weiß Gudrun Jannemann vom Jobcenter.

Deswegen hat das vom Europäischen Sozialfonds geförderte Projekt auch bundesweit Aufmerksamkeit geweckt. Schrittweise begeben die Frauen sich in die berufsbedingte Verbindlichkeit. Erst einmal nur gucken und im offenen Forum mit anderen Frauen reden. Coachings oder berufliche Qualifizierung in der Lernwerkstatt sind die nächsten Schritte in Richtung Arbeit. „Für viele der Frauen ist es bereits ein enormer Erfolg, wenn sie in der Familie die Voraussetzungen schaffen, dass sie sich überhaupt in Richtung Arbeit bewegen können“, erklärt Sandra Rieksmeier, die Projektkoordinatorin der Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung (GEBA). Bei der Führung durchs Pflegeheim sind sie auch erst einmal sehr zurückhaltend. Nur vorsichtig kommen die Fragen: Braucht man eine Ausbildung? Wie sind die Arbeitszeiten? Wichtig ist kulturelle Sensibilität bei allen Beteiligten: Die Frauen lassen sich auf Neues ein, aber auch die Arbeitgeber müssen lernen, wo es vielleicht Empfindlichkeiten oder sogar Tabus gibt. Das gilt nicht nur für die typischen Frauenfragen und -rollen, das gilt auch für Speiseregeln oder Hygienevorstellungen. Das Projekt unterstützt daher auch die Arbeitgeber – nicht nur durch finanzielle Anreize, auch beratend. Und die Migrantinnen selbst sind gefragt, wie zum Beispiel beim Netzwerk-Fachtag im November vergangenen Jahres, ihre Erfahrungen beizutragen.

Fotos:

Oben: Mütter mit Migrationsgeschichte informierten sich im Klarastift über Berufsfelder für den Einstieg in die Arbeitswelt.

Mitte: Albana Ferko arbeitet seit Februar in der Wäscherei des Klarastifts. Wie sie den Einstieg in die Arbeit gefunden hat, interessiert die Frauen von „Zukunft wagen!“

Presseamt Münster

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Mobile Sliding Menu