Der Krieg in Syrien ist so nah – bald 160 Flüchtlinge in Münster

In Deutschland

Münster –

In Münster leben 139 syrische Flüchtlinge, weitere sollen folgen. Der Bürgerkrieg in ihrer Heimat erfüllt alle mit großer Sorge. Ein aus Syrien stammender Gemüsehändler bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht sicher, ob es nach einem Militärschlag Amerikas besser oder noch schlimmer wird.“

Von Karin Höller

Wenn in Syrien Schüsse einschlagen, treffen sie auch Metin Sleman, der in Münster seit acht Jahren einen Lebensmittelmarkt an der Klosterstraße betreibt. Der Syrer bangt um seine Verwandten in der fernen Heimat. „Tagsüber ist es schon gefährlich. Aber nach Einbruch der Dunkelheit wagt sich keiner mehr aus dem Haus.“ Bereits vor zwei Jahren seien sein Cousin und sechs seiner Freunde erschossen worden.

Jetzt sorgt sich der Kurde auch um seine Verwandten im bislang noch weitgehend verschonten Norden des Landes. Sleman: „Lebensmittellieferungen werden nicht mehr durchgelassen. Es gibt kein frisches Obst und Gemüse.“

Ein Landsmann, der gerade im Laden einkauft, pflichtet ihm bei: „Früher hatten es Diebe auf Geld und Gold abgesehen, heute werden Essen oder Gaskartuschen gestohlen.“ Die syrische Währung sei nicht mehr viel wert. Wer kochen will, müsse für eine Kartusche 8000 syrische Lira hinblätter.

„Das ist die Hälfte eines Monatslohns“, weiß Selim Mohammed, der seit drei Jahren in Münster lebt und vor elf Jahren mit seinen Eltern aus Syrien geflohen ist. „Mein Vater wurde im Gefängnis gefoltert, weil er als Goldschmied einen kleinen Anhänger mit der kurdischen Flagge gefertigt hatte“, erzählt er.

Viele Syrer, die sich im Ausland in Sicherheit gebracht haben, schicken Geld in die Heimat, erzählt Selim Mohammed, der sich um seinen Onkel sorgt, „der vor einem Monat angeschossen wurde. Ich hoffe, dass Amerika dem Ganzen endlich ein Ende setzt“.

Von einem schnellen Wandel zum Guten ist Gemüsehändler Sleman allerdings nicht überzeugt. „Es ist nicht klar, wer anschließend an die Macht kommt, ob es noch schlimmer oder besser wird.“ Er lebt mit seiner deutschen Frau und seinem Sohn in Münster und hofft inständig, dass es in Syrien endlich Frieden gibt „und alle Araber gut miteinander auskommen.“

Ein Ende der Gewalt ist indes nicht abzusehen, und der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Auch Münster wird in Kürze rund 20 der insgesamt 5000 in Deutschland erwarteten syrischen Flüchtlinge zugewiesen bekommen, erklärt Pressesprecher Joachim Schieck. Womit sich das bereits bestehende Unterbringungsproblem nicht wesentlich verschärfen dürfte.

Von Januar bis Juli wurden Münster laut Schieck „305 Flüchtlinge unterschiedlicher Nation zugewiesen, 63 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“. Aktuell leben in der Westfalenmetropole 420 Einwohner mit syrischer Staatsangehörigkeit – davon 139 Flüchtlinge.

Am Mittwoch hat sich übrigens Bischof Dr. Felix Genn gegen einen Militärschlag westlicher Länder in Syrien ausgesprochen und sich dem Aufruf des Papstes sowie syrischer und deutscher Bischöfe angeschlossen. Die Folgen für die Zivilbevölkerung und insbesondere die Christen seien nicht absehbar. Die „ethischen Bedingungen für einen Militärschlag“ seien nicht erfüllt.

Quelle:http://www.wn.de

Leave a reply:

Your email address will not be published.

Mobile Sliding Menu