Brücken bauen über kulturelle Grenzen

In Integration
Foto: Mitschülern den Start in Deutschland erleichtern: Die Trainerinnen Mariya Lorke (l.) und Elisabeth Addicks nehmen die angehenden Kulturvermittler Nawar, Türkay und Jonas (v.l.) in ihre Mitte. Es fehlen Mustafa und Gheed. Foto: Stadt Münster.

Jugendliche werden an ihren Schulen zu Kulturübersetzern

Münster (SMS) Von einem Land in ein anderes auswandern, an einer fremden Schule zurechtkommen, sich neu orientieren. Diese Erfahrung teilen Türkay (16), Jonas (17) und Nawar (17). Besonders belastend: ihre „Sprachlosigkeit“ ohne Deutschkenntnisse in den ersten Wochen in Münster. Heute besuchen sie das Gymnasium Paulinum und die Geschwister-Scholl-Realschule. Sie sind integriert und sprechen nahezu akzentfrei die Sprache der neuen Heimat. Ihre schwierige Anfangszeit aber haben die Drei nicht vergessen. Jetzt wollen sie, unterstützt von ihren Mitstreitern Mustafa und Gheed, zugewanderten Mitschülern den Start erleichtern.

„Man hat sich schon ein bisschen einsam gefühlt“, erinnert sich Türkay. Auch Jonas bestätigt: „Ich war am Anfang so abhängig von anderen.“ Als angehende Kulturübersetzer wollen sie ihre Erfahrungen an ihren Schulen nutzen, um zugewanderten Kindern und Jugendlichen Orientierung in Schule und Schulsystem zu geben. Auf professionelle Füße gestellt wird ihr Vorhaben mit einem gemeinsamen Projekt vom städtischen Amt für Schule und Weiterbildung und dem Verein „Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung“ (ESE).



Der Verein ESE bildet die Jugendlichen in Sachen Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz weiter – sie lernen andere Kulturen verstehen und sammeln Erfahrungen, um Flüchtlingskindern – ähnlich wie Paten – im Schullalltag zur Seite stehen zu können. Dass alle mindestens eine zuwanderungsrelevante Sprache beherrschen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Am Ende der Schulung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat.

Der Verein ESE führt seit vielen Jahren zum Thema Interkulturelles und globales Lernen Projekte an Schulen durch. Das städtische Schulamt fördert das Projekt „Kulturübersetzer“ und hat den Kontakt zu den Schulen, darunter auch das Gymnasium Wolbeck, und den begleitenden Pädagogen hergestellt.

Türkay, Jonas und Nawar investieren für dieses Engagement in ihre Freizeit. Schultern zusätzliche Aufgaben – freiwillig neben ihren täglichen Pflichten in Schule und Unterricht. Sie wollen etwas zurückgeben an andere Kinder, die heute in der Situation sind, wie sie es früher selbst waren.

Presseamt Münster

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