Bildung auf Arabisch

In Deutschland

MÜNSTER.

Sie kommen aus dem Libanon, Syrien und dem Irak, die meisten sind Familien mit Kindern. Vor  allem die Eltern sprächen oft zu schlecht Deutsch, um  am Schulleben teilzuhaben. Das brachte Mohamed Boulouh auf eine Idee: Warum nicht einfach Artikel aus der Münsterschen Zeitung   ins  Arabische übersetzen?

Gesagt, getan: Im  April  erschien die erste Ausgabe seiner kleinen, kostenlosen Zeitung. Mohamed Boulouh nennt sie schlicht „Münster“ –auch, weil er Sehenswürdigkeit für Sehenswürdigkeit der Domstadt darin vorstellen will. „Ich bin aber keine Konkurrenz zu etablierten Zeitungen“, sagt der 44-jährige Marokkaner. Auch, weil er sich größtenteils auf ein Thema beschränkt: Bildung.

Mohamed Boulouh kam 1995 nach Münster. Auch in Marokko hatte er als Lehrer gearbeitet, für Arabisch und Französisch. In Münster fand er zunächst in einem Dolmetscher- Büro einen Job, seit 1999 arbeitet er jedoch auch hier als Lehrer  für Islamwissenschaft und Arabisch.



„Ich unterrichte 300 Kinder“,sagt Boulouh. Mit entsprechend vielen Familien sei der Lehrer im Laufe der Zeit in Kontakt gekommen. „Meine Erfahrung ist, dass es viele Eltern gibt, die gerne zum Elternabend kommen würden. Aber sie kommen nicht, weil sie Angst haben, etwas nicht zu verstehen.“

Zeitung über Schulthemen

Es müsste eine Zeitung her, dachte Mohamed Boulouh, die in arabischer Sprache Eltern über das Schulleben ihrer Kinder informiert. Was ist überhaupt eine Haupt-, was eine Realschule? Und was ist „Primus“? „Den arabischen Eltern ist Bildung sehr wichtig“, sagt der 44-Jährige, der selbst zwei Kinder hat. „Damit die Eltern den Kindern den richtigen beruflichen Weg zeigen können.“ Jeden Morgen durchforstet Mohamed Boulouh also die Münstersche Zeitung, entweder zu Hause oder in der Schule. Er liest alles über Bildung, das, was er für wichtig hält, übersetzt er für seine Zeitung. Daneben sucht er bei der Deutschen Welle nach Themen.

Und überlegt sich Schwerpunkte für jede Ausgabe.

„Ich berichte nicht über Religion und Politik“, erzählt er. Seine Leser seien Christen und Muslime, die Politik in den arabischen Ländern hält er für problematisch.

Gegen Skepsis ankämpfen

 „Ich möchte etwas Gutes tun“, sagt Mohamed Boulouh. „Und nichts, was das Zusammenleben gefährdet.“

Um auch die letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen, wird er nun in seiner zweiten Ausgabe auch die deutsche Ubersetzung der Texte neben die arabischen Schriftzeichen stellen. „Jeder soll wissen, was da steht“, sagt er. Seine Zeitung erscheint in einer Auflage von 10000 Stück, die nächste am 1. Juli.

Er verteilt sie in Moscheen, Vereinen und da, wo „Araber einkaufen gehen“. Die Finanzierung wuchtet er größtenteils selbst. Der Zeitungsmacher  hofft  daher auf einen Sponsor, der das Projekt unterstützt und auf Leute, die mitmachen wollen. Wer mag, kann sich unter  info@munister.de bei ihm melden.

Munister – das ist der arabische Name für Münster.

Anna Gellner
Münstersche Zeitung

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