Auf der Spur des Elends

In Münster

Münster –

Sabrina Jlilaty wohnt in Münster. Die gebürtige Palästinenserin hat jetzt das Elend in zwei Flüchtlingslagern bei Beirut hautnah erleben können. Ihr Bericht mit einem erschütternden Video.
Von Günter Benning/ WN.de

Sabrina Jlilaty hat im Libanon Videos gemacht. Man sieht Zelte aus Plastikplanen, Kinder, die im Schlamm waten, entkräftete Mütter, die etwas verschämt die Gäste aus Deutschland begrüßen. Und immer wieder hört man die Gievenbeckerin das Elend der Flüchtlinge schildern. „Hier“, ist ihr letzter Satz, „könnte ich keinen Tag leben.“
Sie selbst ist im Libanon geboren, ihr Vater arbeitete schon seit 1969 als Gastarbeiter in Berlin, 1975 zog sie mit ihrer Mutter nach. „Ich bin wie eine Bio-Deutsche“, sagt die Zahnmedizinische Fachangestellte, die mit einem Syrer verheiratet ist und vier Kinder hat.
Seit vier Jahren kümmert sie sich um Flüchtlinge. Als an der Gievenbecker von-Esmarch-Straße vor vier Jahren die ersten Familien einzogen, ist sie spontan zu ihnen gegangen. „Ich habe einfach mal gefragt, ob sie Hilfe bräuchten“, sagt sie. Seitdem hat sie keine Ruhe mehr gefunden. Sie hilft im Gievenbecker Erzählcafé, übersetzt für Flüchtlinge, hilft ihnen bei Behördengängen.
50.000 Menschen auf einem Quadratkilometer




„Aber ich wollte immer schon erleben, wie die Menschen in den libanesischen Flüchtlings-Camps leben“, sagt sie. Jetzt hatte sie die Gelegenheit zu einer Reise mit der Hilfsorganisation „Barmherzige Hände“, die von Münster nach Essen gezogen ist und humanitäre Hilfe in den islamischen Ländern organisiert.
Flüchtlingslager im Libanon.
Es war eine Woche, die Sabrina Jlilaty getroffen hat. Zuerst war sie im Beiruter Bourj el Barajmeh Camp, in dem 50.000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben, manche palästinensischen Familien seit 1948.

Sie zeigt Bilder von verwirrenden Kabelsträngen, die Infrastruktur in diesem Häusermeer, in dem nun auch neue Flüchtlinge aufgenommen wurden, ist lebensgefährlich.
Flüchtlingsheim in Akar

Dort verteilten die Frauen aus Deutschland Hilfsgüter, Matratzen, Kissen, Decken, Spielzeug und kleine Care-Pakete mit dem Nötigsten zum Leben.
Was sie am meisten beeindruckt hat: „Wir trafen ein zehnjähriges Kind, dessen Vater einen Schlaganfall hatte, es lebte in totaler Armut.“ Und es trug den Besuchern ein Portemonnaie hinterher, das einer verloren hatte.
Danach reisten die Besucher in ein Flüchtlingsheim in Akar, an der syrischen Grenze. Familien lebten in Zelten aus Plastikplanen, viele Frauen müssen sich mit ihren Kindern allein durchschlagen, weil die Männer gestorben sind. Sabrina Jlilaty: „Viele Kinder haben mir gesagt, Tante, wir wollen in die Schule.“
Für die Gievenbeckerin steht fest: „Ich möchte den Kindern vor Ort helfen. Es ist wichtig, dass sie lesen und schreiben lernen.“
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Wer mehr Informationen über die Reise in die Flüchtlingslager sucht, kann sich per Email bei ihr melden: sabrin2005[at]arcor.de

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